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Die aktuelle Lage: Ein Kollektiv aus fest verankerten Traditionen regelt den Alltag 

Als eine der Wiegen der Menschheit bezeichnet, ist Äthiopien reich an alten Bräuchen und Traditionen, die bei den verschiedenen ethnischen, religiösen und sozialen Gruppen sehr verbreitet sind. Tief verwurzelt, in einem Kollektiv von Glauben, Werten sowie sozialem und kulturellem Verhalten, regeln diese Tradition – ganz gleich ob vorteilhaft oder ungesund – den Alltag und das Zusammenleben eines Jeden in der Gemeinschaft. 
 
In diesem Kollektiv wird auch die weibliche Beschneidung als ein notwendiger Schritt gesehen, damit die Mädchen eine „gute Partie“ machen können – was oft ausschlaggebend für soziale Anerkennung und eine nanzielle Absicherung ist. Kommen die Familien diesen Erwartungen nicht nach, riskiert ihre Tochter, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Aus diesem Blickwinkel wird die Beschneidung als die beste Lösung erachtet, um ihr eine sichere Zukunft garantieren zu können. 
 

Die Antwort: Ein Kollektiv von verschiedensten Aktivitäten gegen Mädchenbeschneidung 

Neben ernsthaften gesundheitlichen Schäden, ist die Beschneidung ebenfalls unvereinbar mit dem Recht auf eine gesunde mentale und physische Entwicklung. Deshalb bemüht sich UNICEF, zusammen mit der äthiopischen Regierung, die Beschneidung bis 2025 abzuschaffen. 
 

Mobilisierung von religiösen Führern, Individuen und Gemeinschaften 

Obwohl von keiner religiösen Schrift vorgeschrieben, neigen Gemeinschaften, die die Beschneidung von Mädchen praktizieren, dazu, dessen Ausführung der Religion zuzuschreiben. Leider wird dieser Glaube oft noch von religiösen Führern bestärkt, die der Meinung sind, dass die Beschneidung eines Mädchens vorgeschrieben sei. 
 
Die Miteinbeziehung religiöser Führer in den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung ist unentbehrlich, da diese als einzige in der Lage sind, diese Tradition von der religiösen Lehre zu „entknüpfen“. 
 
In vielen äthiopischen Gemeinschaften schreiben die Männer der vorehelichen Keuschheit eine besondere Bedeutung zu. So schreibt die Tradition auch eine Reihe von strengen Maßnahmen zur Wahrung der Jungfräulichkeit vor, darunter u.a. die Ausübung der extremsten Form der weiblichen Beschneidung – der pharaonischen Infibulation. Auch hier nehmen die Familien demnach die Beschneidung ihrer Töchter vor, um den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen und deren Akzeptanz aufrechtzuerhalten. 
 
Die Miteinbeziehung der Männer, sogar bereits der Jungen, in den Kampf gegen weibliche Genitalbeschneidung ist unentbehrlich, damit sie nicht länger beschnittene Mädchen bei der Brautwahl bevorzugen. 
 
Aufgrund der Kraft, die soziale Normen ausüben, ist es für den Einzelnen praktisch unmöglich, eine schädliche Tradition ganz alleine aufzugeben. Um soziale Veränderungen herbeiführen zu können, bedarf es unbedingt kollektiver Diskussionen, welche die gesamte Gemeinschaft mit einbeziehen. Die Verdeutlichung der Gefahren anhand von Schicksalen aus der eigenen Umgebung – ein Mädchen, das seine Beschneidung nicht überlebte; eine schwangere Frau, die Komplikationen bei der Geburt erlitt; Probleme von Paaren beim Geschlechtsverkehr – all dies kann bei der Findung eines generellen Konsens zur Abschaffung der Beschneidung behil ich sein. 
 
Da in Äthiopien das Bewusstsein für individuelle Rechte relativ wenig verbreitet ist, haben sich gemeinschaftliche Debatten über die gesundheitlichen Folgen der Beschneidung als sehr nützlich im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung erwiesen. 
 

Eine Neuheit: Die Behandlung von Spätfolgen der Beschneidung 

"Für die Mädchen hier ist es sehr schwierig, sich über das Thema auszutauschen, da es die intimsten Stellen des Körpers betrifft", erklärt Malika, Mitarbeiterin einer lokalen Organisation in Afar. 
 
Um das Wohlbefinden der bereits beschnittenen Frauen und Mädchen zu verbessern, sieht UNICEF in seinem neuen Projekt auch die Einrichtung von Gesundheitszentren vor, die auf die Behandlung von medizinischen Spätfolgen durch die Beschneidung spezialisiert sind. Neben dem Ausbau der medizinischen Infrastruktur ist vor allem die Ausbildung des medizinischen Personals in der richtigen Behandlung der Patientinnen ein wichtiger Punkt, was bereits bei deren Identifizierung beginnt. 
 

Kontakt

Paul Heber
Verantwortlicher für Kommunikation
Tel: 44 87 15-26
 
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